Pixellismus - Eine ganz eigene Art mit Licht zu malen.

Ich habe mir erlaubt den Titel dieser Serie an die Stilrichtung des Pointillismus anzulehnen. Eine Stilbezeichnung für die Malerei um die Zeit von ca. 1890 bis 1910. Die Maler dieser Zeit haben nicht mehr den rein realistischen Bildaufbau angestrebt, sondern beschäftigten sich intensiv mit dem Simultankontrast der benachbarten Farben. Der Gesamt-Farbeindruck einer Fläche ergibt sich erst im Auge des Betrachters und aus einer gewissen Entfernung. Eine sehr abstrakte herangehensweise in der Malerei zur damaligen Zeit. In meinen Bildern dieser Serie führe ich die Abstraktion noch weiter indem ich den Blick auf ein konkretes Objekt weitestgehend verlasse. Auch soll der Titel den Blick nicht in eine bestimmte inhaltliche Richtung lenken. So kann der Betrachter dem Bild unvoreingenommener begegnen und es bleibt mehr Raum für die „eigenen" Bilder.
Immer wenn es um die Bilder geht, die bei den Betrachter/innen erscheinen, fällt mir eine Fotoausstellung Mitte der 1990er Jahre ein, die ausschließlich mit weißen Leinwänden ausgekommen ist. Eine Ausstellung in der kein einziges Bild real
g e z e i g t  wurde. Neben den Leinwänden befanden sich lediglich Bildtitel wie: „Der Kniefall eines Politikers“, „Schauspielerin auf einem Lüftungsschacht“ oder „Der Kuss zwischen zwei Politikern“....
Da keines dieser Motive real in der Ausstellung hing, entstanden die Bilder ausschließlich in den Köpfen beziehungsweise in den Herzen der „Betrachter/innen".
Fotografien, die sich ausschließlich auf die Reproduzierbarkeit des erlebten „beschränken“, geben kaum Raum für eigene Bildwelten, Fantasien, Freiheiten. Das neue Erleben von Dingen, die Veränderungsmöglichkeiten des Gewohnten, das Zulassen von Ungewohntem, das sich im Fluss befinden, das Loslassen von Altem, Überflüssigen, Ausgedientem, all das ist nur möglich, wenn sich der Blick dem Neuen öffnet, wenn das Unerwartete kommen darf, wenn die Überraschung eine Bühne findet, um sich zu präsentieren. Gerne lade ich Sie ein, mit den vorliegenden Bildern nicht nur auf diese Bühne zu blicken, sondern sie selbst zu betreten, zu bespielen.
 
Daher verzichte ich darauf, Ihnen die Inhalte der vorliegenden Serie zu erklären, sondern erlaube mir, Ihnen die Bühne ihrer Entstehung zu beschreiben: Ich saß im Urlaub mit Freunden an der Bar und wir genehmigten uns wie jeden Abend einen Aperitif. Wie in den meisten südländischen Bars üblich, hing auch hier ein riesiger Flachbildschirm an der Wand, auf dem irgendetwas gezeigt wurde. Glücklicherweise ohne Ton, sodass die Dauerberieselung rein optisch war. Denn in irgendeinem Eck stand noch ein Lautsprecher aus dem erfreulicherweise ganz gute Musik kam. Und so interessierte sich auch kaum jemand für das Gezeigte auf dem Bildschirm, der munter vor sich hin flimmerte. Irgendwann wurde der Satellitenempfang so schlecht, dass das Bild begann, sich in seine Bestandteile förmlich aufzulösen. Ab jetzt interessierte ich mich sehr für das Gezeigte. Ich fuhr sofort zu meinem Zelt und holte meine Kamera. Zurück an der Bar stellte ich mich vor den Bildschirm und begann zu fotografieren. Ich konnte mich gar nicht mehr lösen, denn es kamen immer schönere Bilder. Irgendwann fragte mich jemand, was ich denn da fotografiere. Denn man erkenne doch gar nichts mehr. „Genau“ sagte ich, das sei ja genau das, was ich fotografieren möge.... Ich zeigte ihm auf dem Display meiner Kamera die ersten Rohprodukte. Er sah mich an, lächelte und meinte: „Mir war gar nicht bewusst, was für tolle Bilder die Flimmerkiste zeigen kann. Jetzt muss ich doch wieder die ganze Zeit hinsehen...“
Bewusst sein und Bewusstsein schaffen. Auch darum geht es mir in meiner Fotografie, egal aus welcher inhaltlichen Quelle. Der Mann von der Bar sah ab diesem Moment mit einem veränderten Blick auf das Fernsehbild. Welche Bilder ER dabei sah, blieb mir verschlossen. Vielleicht war sein Genervtsein zu ende, und er erfreute sich ab jetzt an dem dargebotenen. Sollte er dadurch von seinem Aperitif abgelenkt worden sein, tut es mir leid. Aber Ihnen, lieber Leser, sei gesagt, dass auch diese Ablenkung nach kurzer Zeit zu Ende war, da dann das Signal gänzlich zusammenbrach und alle Getränke wieder in den Mittelpunkt ihrer Bedtrachter/inen traten.
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