Phasengrenze - Nicht dies, nicht das, nicht Nichts. Eher die Möglichkeit für alles dazwischen.

Vor einigen Jahren wurde ich mit einem Teil meiner Arbeiten zu einem Weiterbildungsseminar von Beatrix Voigt (www.bea-voigt.de) mit dem Thema Phasengrenze eingeladen. Ich hatte nur eine ungefähre Vorstellung von dem Begriff Phasengrenze. Wusste, dass es irgendetwas mit Übergängen zu tun haben muss. In welchen Zusammenhängen man jedoch von Phasengrenzen sprechen kann und welches Potential sich darin verbirgt, wurde mir erst während der drei Seminartage klar: Der Bogen spannt sich von gesellschaftlichen Übergängen, wie beispielsweise die 1920er Jahre als Grenzenlosigkeit und Konservativismus gleichberechtigt nebeneinander existierten. Alle gesellschaftspolitischen Entwicklungen wären aus dem Blick einer Phasengrenze damals denkbar gewesen. Leider gewann bekanntermaßen die reaktionäre Bewegung die Oberhand und mündete im Dritten Reich. Weiter behandelten wir naturwissenschaftliche Phänomene wie den Nebel oder den Übergangsbereich zwischen Wasser und Eis. Ein ganz pragmatisches Beispiel ist der Reifen eines Fahrzeugs: Der Fahrzeugkörper in sich ruht, ebenso wie die Straße. Der Reifen stellt die Verbindung zwischen diesen beiden Phasen dar. Durch ihn ist alles möglich, das Fahrzeug kann sich in alle Richtungen bewegen.
 
Auch im Städtebau findet man solche Phasengrenzen. Nämlich an den Orten, wo sich große Veränderungen ankündigen oder bereits stattfinden. Der Potsdamer Platz war zu Beginn der 90er Jahre ein Sinnbild für großmaßstäbliche Neuausrichtungen der Metropolen. Ähnlich der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg fanden Städtebauer und Planer nach der Wende strukturlose Brachflächen vor, die auf die Realisation von architektonischen Utopien warteten. Nicht nur in Berlin kam es mit der Vereinigung zu einem starken Bauboom, der bis heute anhält. Stuttgart 21, das Hamburger Hafenviertel mit der Elbphilharmonie, oder die dritte Stammstrecke für die S-Bahn in München sind nur einige Beispiele für eine Vielzahl von architektonischen Umbrüchen in unseren Städten.
 
In der Serie Phasengrenze beschäftige ich mich mit den Phänomenen des Überganges am Beispiel vom Städtebau. Gewohntes ist nicht mehr vorhanden, Neues noch nicht realisiert. Eine gigantische Phasengrenze, in der alles möglich zu sein scheint. Dieses „Alles“ und das „noch Nichts“ ist Gegenstand der vorliegenden Bilder. Dabei rücken städtebaulich gewohnte Perspektiven in neue Bezüge zueinander. Ungewohnte Blickwinkel prägen die Bilder und gewohnte städtebauliche Zugehörigkeiten lösen sich auf und machen dem zu erwartenden Platz. Alles ist in Bewegung und erzeugt damit eine ganz eigene Bildästhetik. Doch auch in dieser Arbeit sind die eigentlichen Bilder die, die in der Vorstellung des Betrachters entstehen. Zwar ist jedes Motiv aus der Serie Phasengrenze individuell und steht mit seinem Bildinhalt für sich. Der Entstehungsort ist immer ein ganz bestimmter, doch die Imagenationen können so vielschichtig sein, wie die Anzahl der Betrachter/Innen. Ein spannender Austausch derer untereinander ist gewiss.
 
 
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