Die Crete Senesi - Eine Landschaft deren Schönheit im Wenigen und im Einfachen liegt.

Meinen Eltern verdanke ich, dass ich schon früh eine große Liebe zur Toskana entwickelt habe. Wir bereisten kleine und große Städte. Bekannte wie San Gimigniano, Siena oder Florenz, aber auch die abgeschiedenen, kleinen, unscheinbaren wie Montalcino, Asciano oder Buonconvento. Gerade zwischen den beiden letztgenannten liegt eine Landschaft von atemberaubender Schönheit: Die Crete Senesi. Das Wort „crete“ ist die Mehrzahl von Creta und bedeudet soviel wie Erde, Ton oder Lehm und beschreibt damit die Böden dieser Landschaft. Über eine Fläche von ca. 800 km² erstrecken sich leicht geschwungene Hügel aus Lehm. Dieser changiert zwischen den Farben Grau, Gelb, Beige oder Weiß. Im Sommer wird der Besucher von den hellen Erdfarben geblendet, zumal zur Mittagszeit, wenn die Sonne hoch am Himmel steht.
Ab und an zeigt sich eine einzelne Zypresse, ein Strauch, oder, wenn ein Gewässer in der Nähe ist, ein kleiner Ranken aus Gehölzen. Wenn es gewittert können die großen Wassermassen nicht in die schweren Böden eindringen und fließen an der Oberfläche ab. Dadurch ist die Landschaft immer wieder von Erosionslinien durchzogen.
In der Crete, wie sie abgekürzt genannt wird, wird nahezu ausschließlich Getreide angebaut. Im zeitigen Frühjahr sind die Flächen grün vom keimenden Getreide. Die Pflanzen wachsen schnell heran und werden bereits im Mai geerntet. Dann werden die Felder umgebrochen und die Landschaft erhält ihr typisches Bild: Helle Erde, womöglich ein Strauch oder ein Baum, ein Zaunrest. Und all dies umgeben von einer großen Weite, einer magischer Ruhe, einem Gefühl von unendlicher Freiheit.
 
Ein Portrait dieser Landschaft wollte ich mit der Kamera erstellen. Berufsbedingt war es mir damals jedoch nur im Winter möglich, die Crete zu bereisen. Und so machte ich mich im Februar auf den Weg. In der Hoffnung, dass der Charakter des Sommer in irgendeiner Art auch jetzt vorzufinden sei. Ich bezog mit meiner damaligen Freundin ein kleines Appartement in Brenna, einem kleinen Dorf am Rande der Crete. Wir kamen spät abends an und gingen bald zu Bett. Am nächsten Morgen sah ich das helle Licht der Landschaft schon in unsere Zimmer leuchten. Aber nicht die hellen Tonfarben waren der Grund. Über Nacht hatte es 20 cm geschneit. Die gesamte Toskana war in eine weißes Kleid gehüllt. Und so sahen wir uns gezwungen, nach einer Schneewanderung im Garten auch noch einen Schneemann zu bauen und weiter abzuwarten. Doch bereits am nächsten Tag war der weiße Zauber vorbei und wir konnten uns auf den Weg machen.
Da ich die Aufnahmen mit einer Großformatkamera und Brennweiten mit bis zu 400mm machen wollte, zogen wir zu zweit los. Denn die Strapazen dieses Materialeinsatz konnte ich nur mit Hilfe meiner Freundin bewältigen. Nachdem ein Standort gefunden, die Kamera eingestellt und die Belichtung gemessen wurde, belichtete ich zur Sicherheit jeweils ein Schwarz/Weiß-Polaroid um die eingestellt Belichtung abschließend zu kontrollieren. Am Abend sortierte ich die so entstandenen Sofortbilder aus meiner Tasche und warf sie in den Mülleimer. Im Laufe der Tage sammelte sich dort eine große Anzahl von Testbelichtungen an. Eines Abends als ich wieder meine Ausrüstung kontrollierte und für den nächsten Tag vorbereitete streifte mein Blick besagten Papierkorb und blieb an den Sofortbildern hängen. Ich nahm sie wieder zur Hand und stellte fest, dass dies genau die Ergebnisse sind, die die zu porträtierende Landschaft perfekt beschreiben. Zwar arbeitete ich weiter nach Plan, nahm aber die Testbilder alle mit nach Hause und trug sie ins Fachlabor. Ich fragte, ob es möglich sei, davon einen Scan in der Qualität zu machen, dass man davon Ausbelichtungen von mindestens einem Meter Bildbreite erstellen könne. Ein schlichtes „Ja“ und ein guter Zuschuss vom Istituto Italiano die Cultura liefeten kurze Zeit darauf die ersten drei großformatigen Bilder dieser Reise. Noch bevor ich irgend ein Farbnegativ im Labor vergrößert hatte, war ein wunderbares Bildtryptichon entstanden. Dieses Tryptichon machte sich auf die Reise von München nach Nürnberg, um schließlich in den Arkaden des Rathauses am Piazza del Campo in Siena zusammen mit den Farbbildern gezeigt zu werden.
Ein Jahr später erhielt ich während meines Urlaubs in Italien einen Anruf aus Asciano. Der für die gesamte Region dort ansässige Kulturverein macht es sich zur Aufgabe jedes Jahr einen regionalen Künstler zu ehren, der sich der in seinen Arbeiten mit den regionalen Themen beschäftigt. Doch sollte es in diesem Jahr ein Novum geben: Nachdem man meine Arbeiten im Rathaus von Siena gesehen hatte, entstand die Idee, erstmalig einen ausländischen Künstler zu prämieren, was dann im darauf folgenden Jahr auch geschah. Die Begründung der Jury war, dass meine Arbeit durch die starke Reduzierung in der Bildsprache den eigentliche Charakter der Landschaft liege und darüber hinaus die hohe Ästhetik der Bildsprache der Schönheit dieses Landstriches entspräche.
Ein Anerkennung die mir bis heute sehr viel Wert ist, da sie von den Menschen vor Ort ausgesprochen wurde. Menschen, die ihre Landschaft kennen und lieben. Herzelichen Dank nochmal dafür an dieser Stelle.
 
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